CD-Rezension aus der "Jazz thing" (06/2007)
Berlansky
Growin' Up
(JazzSick/Rough Trade)
Esther Berlansky ist eine Geschichtenerzählerin. Ob mit Text oder in reiner Vokalise. Entsprechend hat sie ihrem Album über kurze, hörspielartige Interludes den Rahmen eines Quasi-Kurzhörbuchs verliehen. Zwei der Erzählungen gehen auf ungarische Volkslieder zurück, die sie - in Ungarisch! - sehr schön rhythmisiert und humorvoll ins Jazzidiom überträgt. Sehr schön sind auch die stimmungsvollen Adaptionen von Herbie Hancocks "Butterfly" und Chick Coreas "Crystal Silence". Die Arrangements und der Klang des kleinen Ensembles erinnern manchmal ein bisschen an den schokoladigen 1970er-Jahre-Orchestersound, woran die Stimmführung Berlanskys großen Anteil hat. In den Solopassagen macht der veritable Trio-Jazz ihrer Band großen Spaß, sie spielt druckvoll auf, ist gut eingespielt und rhythmisch sehr variabel. Das kontrastiert mit Berlanskys mädchenhaftem Gesang der dennoch souverän, ausdrucksstark und merkwürdig faszinierend ist. In keiner Rolle, in die sie schlüpft - sei es die kindlich verschlafene Unbefangene, die engelsgleich Verträumte oder die kokett aufreizende Sirene - gibt die Mittzwanzigerin vor, mehr zu sein als sie vielleicht sein könnte. Wenn sie es denn drauf anlegt. Jazz ist nicht nur nicht tot, er ist immer noch sexy
CD-Rezension des "Online Musik Magazins" (OMM)
Berlansky kann´s
Von Frank Becker
Die Jazz-Komponistin und Sängerin Esther Berlansky legt mit ihrem Album "growin´ up", das am 1. Juni in die Läden kommt, ein grandioses, ja geniales Debüt von höchstem Niveau hin. Selten konnte mich ein Konzept vom ersten originellen Einfall bis zum letzten Akkord durchgehend so überzeugen und mitreißen wie dieses. Die Neusserin mit ungarischen Wurzeln, die in Amsterdam ihr Jazz-Studium cum laude absolviert hat, gehört zu der jungen Generation von hervorragenden deutschen Musikerinnen, die - wie auch die Berliner Sängerin Cristin Claas - dabei sind, der Jazz-Welt mit neuen Akzenten und frischen Ideen ein junges, nichtsdestoweniger raffiniertes und virtuoses Gesicht zu geben.
Raffiniert in Komposition und Arrangement, virtuos in der Performance baut Esther Berlansky vom ersten Weckton in # 1 an eine bezaubernde Stimmung auf. Vier eigene Stücke hat sie geschrieben, je eins von Chick Corea und Herbie Hancock arrangiert sowie zwei volkstümliche ungarische Texte neu vertont und sich sechs höchst originelle Intermezzi dazu ausgedacht. Faszinierend die süße, sich in einer eigen Liga bewegende Stimme, die tief berührt, melancholisch und fröhlich zugleich macht. Begleitet von einer erlesenen, international besetzten Band, die sie während des Studiums zusammengestellt hat und die bereits eine enorme Reife zeigt, ist ihr ein Gesamtkunstwerk in Instrumentation, Gesang und besagten Intermezzi, die den fröhlich zwitschernden Tagesablauf eines glücklichen Menschen illustrieren, gelungen.
Bassist Mihail Ivanov z. B. eröffnet gefühlvoll "Most Vagy Soha", in dem auch Pianist Tony Roe und Schlagzeuger Oliver Rehmann zu Hochform auflaufen. Funky und doch balladenhaft zeigt sich "Kocsi, Szekèr", sophisticated mysteriös "Csillagok" zum Ausklang. Esther Berlanskys Vocals, ob Text, Scat oder pures Geplapper, sind vom Opener "Growin´ Up" bis "Csillagok" am Schluß Nektar für Ohren und Seele. Selten findet man eine so wandlungsfähige, ausdrucksreiche Stimme. Die ungarischen Themen und Klangelemente kommen den Stücken sehr zugute.
"Mister-fear-ious" mit Gast Miriam Frank an der Baßklarinette ist stimmlich besonders delikat nur einer der Höhepunkte dieser kostbaren CD, die in ihrem farblich unvorteilhaften Digipack deutlich tiefstapelt. Man sollte sich nicht täuschen lassen. Hier liegt eine der besten Neuerscheinungen des Jahres auf dem Plattenteller - wenn sie mir diese altmodische Formulierung gestatten.
www.omm.de (Online Musik Magazin)
CD-Rezension aus der "Mox" (Oldenburger Stadt- und Programmzeitung)
Berlansky
"Growin' Up"
DS/ Berlansky heißt mit Vornamen Esther und ist eigentlich schon erwachsen. Die junge Musikerin, die auf ein in Amsterdam mit Auszeichnung abgeschlossenes Jazz-Studium verweisen kann, hat auf dieser Platte komponiert und gesungen. Und wie: „Growin Up“ ist nicht zwanghaft modern, aber ungemein frisch, fröhlich und belebend. Neben mehreren Eigenkompositionen wird hier auch geschmackvoll nachgespielt, unter anderem jazzige Versionen ungarischer Traditionals, was nicht nur Esther Berlanskys Wurzeln widerspiegelt, sondern sich auch als ungemein interessante Verbindung offenbart. Auch zeigt sich Berlansky auf ihrer ersten CD als vielseitige Sängerin, die es aber schlauerweise vermeidet, sich als alles dominierende Kraft in den Vordergrund zu stellen, sondern stattdessen ihrer mit allen Wassern gewaschenen Band die nötigen Freiräume gewährt. Schön zu hören ist das in der ausgedehnten Version von Chick Coreas „Crystal Silence“, in der sich die elegischen Improvisationen von Pianist Tony Roe so schön entfalten, dass man eigentlich jubeln möchte, aber doch lieber andächtig lauscht.
ESC, VÖ: 22.6.2007
CD-Rezension aus "Melodie & Rhythmus"
Berlansky
Growin' Up
JazzSick Records/ESC/Rough Trade
Das ist doch mal ein Beispiel fruchtbaren europäischen Zusammenwachsens. So stammt die namensgebende Sängerin Esther Berlansky aus Ungarn, Pianist Tony Roe aus den Niederlanden, Bassist Mihail Ivanov aus Bulgarien und Schlagzeuger Oliver Rehmann schließlich aus Deutschland. Ihre Liebe zum Jazz wird nun auf „Growin' Up“ zur Passion, wagt sich die Sängerin nebst Band doch erst einmal überaus behutsam an Standarts von Herbie Hancock („Butterfly“) und Cick Corea („Crystal Silence“), ehe das Quartett, warmgespielt, eigene Tunes zum Besten gibt. Und mit eben diesen (d.h. mit den Improvisations-freudigen „Most Vagy Soha“, „This Is Space“ und „Mister-Fear-Ious“) gelingt Berlansky das fast schon Unmögliche, sogar dir vorher mit den Coversongs aufgemauerten hohen Erwartungen noch zu übertreffen. Weil hier, und das ist sicher, alles aus dem Bauch kommt, womit „Growin' Up“ nebenbei auch überaus barkompatibel ist, was so auch recht angenehm ist. (mawa)

